Am 30.04.2026 fand in den Räumlichkeiten des JBZ 2.0 St. Pölten der Workshop “Achtung Algorithmus! Wie Social Media dich lenkt!” aus der Reihe “Starke Schule – Starke Gesellschaft”, OEAD statt. Teilnehmer_innen der beiden Digitalisierungscamps sowie anderen Camps konnten sich ausführlich über das Thema informieren und austauschen.
Ehrliche Zahlen, die nachdenklich machen
Der Workshop startete mit einer ordentlichen Portion Realitätscheck: Bevor es in die Theorie ging, warfen alle Teilnehmer_innen einen Blick in ihre eigene Bildschirmzeit. Das Ergebnis? Ein echtes Aha-Erlebnis! Viele hatten ihren Konsum völlig unterschätzt. Im Schnitt landeten wir bei 5,1 Stunden pro Tag, das sind über 150 Stunden im Monat. Diese Zahl im Raum stehen zu sehen, sorgte bei vielen für einen Moment des Innehaltens.
Warum wir eigentlich nicht aufhören können
Wir haben uns dann die Frage gestellt: Warum hängen wir eigentlich so sehr am Handy? Es wurde schnell klar, dass das kein Zufall ist. Plattformen nutzen ganz gezielt psychologische Tricks. „Likes“ fühlen sich wie eine kleine Belohnung an, die uns immer wieder zurückholt. Dazu kommen technische Kniffe wie das unendliche Scrollen, d.h. man findet einfach keinen natürlichen Punkt, um aufzuhören. Es war spannend zu sehen, wie sehr unser Verhalten von diesen unsichtbaren Mechanismen gesteuert wird.
Action-Videos und die Filterblase
Besonders greifbar wurde die Thematik, als ein bekanntes Videoformat analysiert wurde: ein riesiges Spektakel, bei dem hundert Menschen um eine Privatinsel kämpfen. Wir haben uns die schnellen Schnitte, die knalligen Farben und die laute Musik genau angeschaut. Alles ist darauf ausgelegt, unsere Aufmerksamkeit mit Gewalt festzuhalten. Aber nicht nur das: Wir haben auch darüber gesprochen, wie Algorithmen uns in Filterblasen einsperren. Wir bekommen meistens nur noch das serviert, was wir ohnehin schon glauben.
Detektivarbeit: Was verraten unsere Daten?
Im praktischen Teil wurde es dann richtig spannend: In kleinen Gruppen rekonstruierten wir fiktive Nutzerprofile allein mithilfe von Likes, Kommentaren und Posts. Es war fast schon erschreckend zu sehen, wie präzise man eine Person rekonstruieren kann, ohne sie wirklich zu kennen. Diese Übung hat vielen die Augen geöffnet, wie viel wir eigentlich von uns preisgeben, ohne groß darüber nachzudenken.
Vom Wissen zum Handeln
Zum Schluss wollten wir natürlich nicht nur Probleme wälzen, sondern Lösungen finden. Was können wir im Alltag ändern? Die Ideen waren vielfältig: Push-Nachrichten ausschalten, um den Stress zu reduzieren, oder sogar das Display auf Graustufen stellen, damit die Apps weniger attraktiv wirken. Auch Apps wie ‚One Sec‘ waren ein Thema, um die automatische Handbewegung zum Smartphone zu unterbrechen. Es ging darum, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Am Ende gingen alle mit einem viel besseren Gefühl nach Hause. Nicht mehr als passive Nutzerinnen, die dem Algorithmus ausgeliefert sind, sondern mit dem nötigen Werkzeug im Gepäck, um Social Media wieder bewusster und selbstbestimmter zu nutzen.

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